Ragers-Elite Festival 2006, Zeche Radbod Hamm

„The Fire still burns“… und zwar so heiss, dass es in diesem Jahr zur zweiten Ausgabe des Ragers Elite eher sommerliche Novembertemperaturen ohne Schneechaos zu vermelden gibt. Eine, kurz vor Anpfiff, schon gut gefüllte Halle verheißt schon einiges. Und die nach einigen Absagen (Perzonal War haben wohl wirklich keine Lust uns mal zu besuchen) positiv verbesserte Running Order ebenso. Direkt ins Auge fällt das neue Überbrückungs- und Soundcheckgimmick in Form einer Leinwand, die während sämtlicher Umbaupausen mit Wacken-Videos diverser Jahre belichtet wird…
Gebannt schaue ich wie Jon Nödtveidt mit seiner seltsamen Dissection-Show sich ein letztes Mal aufbäumt um als Legende sterben zu dürfen, doch gestorben ist der Typ schon mit seiner selten dämlichen Aktion im Jahre 1997.
Genug Eingangsgeschwafel, die Leinwand rollt hoch und auf der noch unbemannten Bühne gehen die Lichter an. Ein Intro skandiert: „Guude Laune, guude Laune, “. Klar… kommt raus und ich bin dabei…

Die Dortmunder Nordstädtler Moshcircus vermögen jedoch nur bedingt eben besagte Laune bei mir zu produzieren. Das übermotivierte Hard(Metal)Core-Gerüpel mit Hauptaugenmerk auf der aktuellen Veröffentlichung „Karma“ kann mich leider nur optisch überzeugen. Ordentlich Bewegung auf der Bühne, und auch davor machen sich schon die Kids mit dem ersten Pit warm. Für mich jedoch eher ein Grund den Rückzug zur Theke anzutreten und das rege Treiben aus der Ferne zu betrachten. Und als dann noch Cleangesang für die Emocoreler unter den Besuchern beigefügt wird mache ich mich auf den Weg nach draussen und spare meine Kräfte für Dinge die noch kommen mögen. [GB]

Anfänglich mit falschen Erwartungen an die Sachen herangegangen, wurde schnell klar, dass es sich bei Synasthasia nicht um „Trallala Power Metal“ drehte, sonder hier mehr die „Nu-Metal“-Schiene gefahren wurde. Das Publikum war zu Beginn doch recht zurückhaltend, was den neu eingestiegenen Sänger Brian augenscheinlich recht nervös zu machen schien, erinnerte er doch tatsächlich an die guten alten Zombie I-IV Filme. Versucht hat er leider mehr, als er tatsächlich im Stande war zu leisten, und so ist ein wohl geplanter, langer, hoher Schrei leider ganz kläglich verkümmert. Gesangsharmonien der Stücke wurden zwar gut umgesetzt, was aber doch eher auf den Gesang des Gitaristen Dennis zurückzuführen war. Ansonsten hat die Band allerdings wie üblich ne geile Show geliefert. Im Set des 5ers befand sich auch ein Song, der wohl jedem gut bekannt war, und das war der „King of the Kill“ von Annihilator. Auch hier war das Spielerische wieder hervor zu heben, wobei der Gasang leider wieder nicht gepasst hat. Der letzte Song „Synasthasia“ war dann mal ein Lichtblick den Gesang betreffend. Man hat endlich gehört, was die Band in ihrem neuen „Frontmann“ zu finden glaubte. Eine kleine Überaschung gab´s dann auch noch, in dem die Band in ihre Hymne eine Einspielung des allseits bekannten Manowar-Klassikers „Manowar“ einbaute (hehehe…witzig, oder?). Naja…also wenn sich das Problem mit der Nervosität noch in den Griff bekommen lässt, dann wird die Kombo auf jeden Fall öfter auf meinem Terminplan stehen. [Beavis]

Der Ruhrpott hat viel zu bieten. Und selbst die Enklave Castrop-Rauxel kann was vorzeigen: Agamendon. Das hier alles mit einem verstärkten Augenzwinkern gemeint ist, zeigt schon die Einlaufhymne, vom Publikum begeistert aufgenommen, dem Fraggle Rock: „Sing und schwing das Bein, lass die Sorgen Sorgen sein“. Thematisch setzen die Zombiedeather die Bühnenaction von Synasthasia fort, nur dass bei ihnen auf der Bühne weit mehr los ist. Brutale Riffs wechseln sich mit gefälligen, zweistimmigen Leads ab, die Vocals immer zwischen abgrundtiefem Growls und fiesem Gekreische. Songs die man auch unlive (ich wollte dieses Wort schon immer mal benutzen) anchecken sollte: „Revenge“ und „Toxic Zombie“!

Direkt im Anschluss gibt’s Krach der alten Schule. Die Ami-Deather Solace of Requiem rumpeln sich durch ein Set bestehend aus den neuesten Krachern ihrer aktuellen Scheibe “Utopia Reborn”. Entgegen meiner Befürchtung nun eine weitere dieser modernen Frickel-Highspeed-Combos zu sehen, lehnt sich der Sound des Dreiergespanns doch mehr an die 90er-Welle floridianischen Komponierens an. Dass die Einflüsse deutlich herauszuhören sind, stört deswegen umso weniger, ein zweiter Gitarrist könnte die Sache jedoch deutlich fetter machen. Dafür gibt’s viel Gelaber zwischen den Songs und meinem Empfinden nach hätte man lieber 2 Songs mehr spielen können, als dem stellenweise unmotivierten Publikum Mitmach-Phrasen entgegenzupöbeln. Denn die knackigen Songs sprechen eigentlich für sich. Mein erstes beinahe Deja-Vu hatte ich dann auch noch, denn Drummer Dave beprügelte sein Kit gerade mal mit ner Unterbuchse bekleidet (noch weniger hatte lediglich mal der Stonerfucker Anders Stub von Mother Superior bei einem Gig in der Ahlener Schuhfabrik am Körper). Insgesamt hatte ich mir wohl etwas mehr vom Ami-Import versprochen aber gute Unterhaltung war das allemal. [GB]

Was war das bitte??? Standen da etwa Death und Kreator zusammen auf der Bühne??? NEIN!! Die Jungs von The Unchallenged waren hier am Werk. Komplizierte Breaks und sehr technisches Zusammenspiel machten die Band direkt zu einem der Highlights des Abends. Die Band spielte so kraftvoll, dass Markus Keller (drums Delirious) plötzlich auf die Bühne kommen musste, um die Bass-Drum festzuhalten. Absolut empfehlenswert!! Das Einzige, das mich wundert ist, dass die sich Band bereits 1989 gegründet hat, bis jetzt aber nur auf 2 Demos (1995 und 1998) und eine CD (2001) in Eigenregie zurück blicken kann, und lt. Homepage auch erst im Jahr 2003 angefangen hat Konzerte zu spielen. Naja gut…solange sie damit jetzt nicht aufhören ;). [Beavis]

Als die fünf Jungs von Absence aus dem Ruhrpott die Bühne enterten, hatte sich der Saal zunächst etwas gelehrt, kann doch kein Mensch so viele Bands am Stück begutachten, ohne zwischendurch nicht wenigstens etwas Luft zu schnappen. Dieser Umstand änderte sich jedoch relativ schnell, konnten die Mannen doch von Beginn an mit ihrem modernen Göteborg-Death Metal vollends überzeugen und haben zudem noch den Zeitgeist auf ihrer Seite. Folglich erspielten sie sich ein immer dichter stehendes Auditorium, dessen Bewegungsdrang auch stetig wuchs. Spielerisch ließ man hier nichts anbrennen und besonders der neue Trommler brachte die Schießbude schier zum Glühen. Alles sehr fein, alles sehr überzeugend. Ich persönlich bin zwar nicht so ganz der Anhänger solch moderner Klänge (ich halte es dann doch eher mit, den vom Bassisten Shirt-technisch unterstützten, Dismember), allerdings würden mir jetzt keine Gründe einfallen, warum diese Truppe nicht ähnliches Glück wie die Herren von Misery Speaks haben und zufällig den richtigen (Plattenfirmen-)Leuten in die Arme laufen sollten. Verdient hätten sie es durch jahrelang konstant gute Arbeit jedenfalls. Die ersten Zugaberufe des Abends hatten sie sich auf jeden Fallus redlich verdient… [Bads]

Der ganze Saal stand Kopf und aus den Boxen hörte man Maiden-ähnliche Klänge, auf den Punkt gespielt und mit glasklarem Gesang, wie er besser nicht sein könnte. Wovon wurde man berieselt? Natürlich von Powervice, der Band, die seit Gründung wohl mehr Zeit auf der Bühne verbracht hat als im Proberaum. Das war eine Show für jeden anwesenden HardRock- sowie Metal-Maniac. Mit ihren „Hits“ wie „Nightstalker“ oder auch „Behold the Hand of Glory“ schafften sie es tatsächlich die gesamte Meute auf ihre Seite zu ziehen. [Beavis]

Das zweite beinahe Deja-Vu erfolgte, als ich grinsenderweise auf Delirous warte und plötzlich der Fraggle-Rock zum zweiten Mal aus den Boxen strömt. HÄH? CD vertauscht? Scheint so, denn direkt im Anschluss läuft dann Scott McKenzie’s 70ies-Hit „San Francisco“. Ich glaub ich bin im falschen Film… drehe mich um, und wieder zurück, naja und dann stehen dem Himmel sei Dank die Hammer Lokalmatadore auf der Bühne. Die Stimmung in der Zeche befindet sich nun definitiv auf dem Höhepunkt und ist so mitreissend, dass es auch gleich das halbe Schlagzeug vom Drumpodest reisst. Diese kleinen Problemchen werden jedoch mühelos überspielt und obwohl die Setlist vom Vorjahr fast 1:1 übernommen ist, zeigen Delirious was für eine überragende Liveband sie sind. Jedes Mitsingspielchen wird durchgezogen („Metal is coming home“), und die die heimischen Musikfreunde machen begeistert mit. Der Song des Abends ist für mich heute „No One“ bei dem die Meute im Pit abgeht wie Zäpfchen. Vor der Zugabe gibt’s noch ein Geschenk zum 16 Jährigen Bestehen (eine sehr geile Collage mit Bildern Hammer Musikgeschichte) inklusive fast komödiantisch wiedergegebenem Gedicht. Traditionell beendet wurde das Set dann mit der Iron Butterfly Coverversion „In-A-Gadda-Da-Vida“. [GB]

Obwohl die Band im Vorfeld schon verflucht zu sein schien, da Gitarrist Lars durch einen Krankenhausaufenthalt ausfiel, und auch der Ersatzmann kurzfristig aus ähnlichem Grund absagen musste, bekam man bei Squealer A.D. direkt nen Tritt in den Arsch. Hammerhartes Riffing (diesmal halt nur mit einer Gitarre), brutale Drums und agressiver Gesang sorgten für einen musikalischen Hochgenuss. So muss Heavy Metal klingen!! Aber auch so aussehen? Sänger Gus Chambers hat zweifelsohne eine geile Leistung abgeliefert, allerdings hat mich sein, für mich sehr überheblich wirkendes, Kaugummigeschmatze zur Weißglut getrieben. Das muss nicht sein, oder?!? [Beavis]

Der Abend war schon recht spät und der Tag lang und vor allem laut, so dass sich die Reihen doch spürbar gelichtet hatten. Zum Glück können Desaster mittlerweile auf ein ausreichend großes Following vertrauen, welches standhaft blieb und der Versuchung, die Bettdecke von unten zu wärmen, wiederstehen konnte. Es war zwar nur noch gut die Hälfte der Leute da, doch die standen dafür nahezu geschlossen vor der Bühne und flippten standesgemäß aus, dass es eine Freude war. So beeindruckte an der Show der Koblenzer nicht nur die Oberarme des Sängers (fast so mächtig, wie die von Betty – hehe…), sondern die Herren schafften es tatsächlich noch zu solch später Stunde Frische und Energie zu verbreiten, was das Publikum auch entsprechend honorierte. Leider konnte ich den Abend nicht mehr bis zu Ende verfolgen, da ich zugtechnisch gebunden war, kann mir jedoch nichts anderes denken, als dass dieser super Abend gebührend beendet wurde. Daumen hoch für Desaster, Daumen hoch für Delirious, die es tatsächlich geschafft zu haben scheinen, das RAGERS ELITE endlich zur festen Institution zu machen. [Bads]

Unser Dank geht wie im letzten Jahr an Delirious und die Bay Area Hamm!

Wünsche für das nächste Jahr: Sitzgelegenheiten! 10 Stunden Musik bedürfen auch mal einer kleinen Pause (gerade bei Leuten die stramm auf die 30 zugehen), eine bekannte englische Deathmetal-Band und bitte noch mal was vom Kaliber Doomshine (z.B. Mirror of Deception wären da sicher ne Anfrage wert).

 

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